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Ein Hörpfad
zur biologischen Vielfalt

Direkt vor den Toren Regensburgs erstreckt sich eine Kulturlandschaft wie sie vielgestaltiger nicht sein könnte. Von der Seidenplantage führt uns der 8 km lange Wanderweg mit zehn Hörstationen über die Winzerer Höhen zum ehemaligen Dominikanerkloster und Brauereibiergarten Adlersberg.
Der naturkundliche Pfad führt durch urwüchsigen Wald hinaus in die landwirtschaftliche Flur, in der es noch zahlreiche Hecken und Feldgehölze gibt, aber auch verschiedene landwirtschaftliche Kulturen: Ackerfrüchte, Wiesen und Weiden für Milchschafe und -ziegen, Gemüse-, Wein-, Streuobst- und Waldbau.
Gleichzeitig sind die Winzerer Höhen eines der wertvollsten Biotope der Stadt mit seltenen Pflanzen und Tieren. Eine abwechslungsreiche Landschaft erfreut die Seele, das erkannte bereits Albertus Magnus. Diese Landschaft scheint wie gemacht dafür mit Ausblicken auf die mittelalterliche Welterbestadt und die Donau. Deshalb ist Albertus Magnus, Dominikaner und ehemaliger Bischof von Regensburg, auch Namenspatron des Weges.

Zehn Stationstafeln informieren über die Naturschätze. Scannt man den QR-Code der Tafeln mit dem Smartphone erzählen Menschen, die hinter dieser Landschaft stehen, von ihrer Arbeit.
Zu jeder Tafel gibt es einen „Tipp vom LPV“ für zu Hause: z.B. ein Rezept für eine Wildkräutersuppe oder Anleitungen, wie man Stein- oder Totholzlebensräume im eigenen Garten anlegen kann.

Faltblatt mit Rätsel zum Albertus-Magnus-Weg

Audiodatei Einführung Albertus-Magnus-Weg

alle Audiodateien Albertus-Magnus-Weg

Alle Tipps zum Albertus-Magnus-Weg

Der Film zeigt wie Biodiversität und Landwirtschaft Hand in Hand gehen.
Über das Juradistl-Projekt wurden Weideflächen vermittelt, entbuscht und zur Beweidung optimiert. Durch Mittel aus der Landschaftspflegerichtlinie wird sowohl die Wiederherstellung zugewachsener Wiesen finanziert als auch die Konzeption für das Weiderevier. Für die naturgemäße Beweidung der Flächen gibt es Ausgleichszahlungen aus dem Vertragsnaturschutzprogramm des Freistaats. Leistungen für den Naturschutz werden honoriert und gesunde Lebensmittel werden vor Ort produziert.

Mehr Infos

Juradistl, das größte Biodiversitätsprojekt der Oberpfalz wird finanziert durch das Staatsministerium für Naturschutz über die Regierung der Oberpfalz. Das Stadtgartenamt Regensburg hat bei der Installation tatkräftig unterstützt.

• Alle Infos unter www.lpv-regensburg.de
• Die einfache Strecke beträgt 8 km und man sollte 2,5 Std. kalkulieren
• Eine Kurzvariante bis Winzer (ohne die Statonen 9 und 10) beträgt 3,5 km und dauert ca. 1,5 Std
• 
In beiden Fällen ist eine Rückfahrt mit dem RVV möglich
• 
Die Markierung ist ein weißes Quadrat mit orangenem Strich
• An der Seidenplantage gibt es ausreichend Parkplätze

Artenvielfalt
im Wandel

Natürliche Prozesse wie Klimaschwankungen veränderten von jeher die Artenzusammensetzung. In den letzten Jahrhunderten wurde durch die vielgestaltige Landnutzung der Artenreichtum sogar gefördert. Albertus Magnus war der Erste, der die Vielfalt der mitteleuropäischen Tier- und Pflanzenwelt und die damalige Landwirtschaft ausführlich beschrieb. Heute sind viele einheimische Tiere und Pflanzen vom Aussterben bedroht, weil sich ihre Lebensbedingungen z.B. durch die moderne Landnutzung stark und schnell verändern. Immer mehr und schneller werden neue Tier- und Pflanzarten in unsere Natur eingeschleppt, manchmal aus Versehen mit dem globalen Warentransport, manchmal absichtlich als Zier- und Nutzpflanzen. Manche Arten breiten sich so stark aus, dass sie einheimische Verdrängen. König Ludwig I. führte 1833 Maulbeeren aus China auf den Winzerer Höhen ein und erbaute die Seidenplantage um in Regensburg Seide produzieren zu lassen. Seidenraupen ernähren sich ausschließlich von Blättern der Maulbeere. Maulbeeren sind heute bei uns in warmen Lagen immer noch vereinzelt zu finden. Sie zählen aber nicht zu den problematischen invasiven Arten.

Augen auf:
Im Oktober findet man hier am Hang feine Esskastanien, ein Geschenk der Römer, die Maroni und Weinbau aus dem Mittelmeerraum zu uns gebracht haben.

TIPP VOM LPV
Im Garten eine heimische Hecke pflanzen die die Vögel besonders lieben.
Tipp: Hecke pflanzen

Hör mal:
Wer hört einen Specht trommeln,
wer entdeckt die meisten Baumhöhlen?

TIPP VOM LPV
Verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für Totholz im Garten.
Tipp: Totholz im Garten

Baumgreise
voller Leben

Ab 1871 pflanzte der „Verschönerungsverein Regensburg“ auf den Winzerer Höhen Mischwald und Alleen. Eigentlich hätte man sich die Arbeit sparen können, denn wenn man Wiesen oder Äcker nicht mehr nutzt, entwickelt sich in ganz Mitteleuropa erst Gebüsch und dann Wald ganz von selbst. Sehr alte Bäume sind besonders wertvoll, weil in ihren vielen Höhlen übers Jahr verteilt mehrere Bewohner Quartier finden: der Specht legt die Höhlen oft an, brütet und überwintert dort, manche Fledermäuse nutzen sie als Kinderstube, Eichhörnchen als Winterfutterlager, im März legen Wildbienen ihre Eier darin ab und im April brütet der Star. Futter ist gleich in der Nähe, weil viele Insektenlarven von abgestorbenem Holz leben. Oft werden Bäume jedoch gefällt, bevor sie richtig alt sind. Hier werden bewusst alte Bäume stehen gelassen und alte Stämme dürfen im Unterholz verrotten, sie sind sozusagen die Kinderstube vieler Käferarten! Albertus schrieb zu Insekten und Würmern „… auch die niedrigsten Tiere verdienen, dass man sie erforsche, … um den Künstler zu preisen, der sie erschaffen habe …“

Stein im
Untergrund

Ganze 50 Millionen Jahre lang hat es gedauert, bis im Thetys-Meer das Kalkgestein entstanden ist, aus dem das Fundament der Winzerer Höhen besteht. Das war vor 200 Millionen Jahren, in der sogenannten Jurazeit. Sie war die Blütezeit der Dinosaurier und ein Großteil des Gesteins stammt von Lebewesen des Meeres: Korallen, Muscheln oder Schnecken. Der Kalkstein, wie man ihn hier in diesem alten Steinbruch sieht, ist weich und verwittert leicht. Es gibt viele Risse und sogar unterirdische Höhlen, in denen Regenwasser schnell versickert. Deshalb sind die Böden im Juragebiet trocken und in sonnigen Lagen sehr heiß. Viele Wildbienen oder Eidechsen lieben das und sonnen sich gerne an den freien Felswänden. Der LPV schneidet hier regelmäßig die Büsche zurück, damit die seltenen Arten überleben können. Alberts Schriften zur Gesteinskunde sind die Grundlage der heutigen systematischen Darstellung der Mineralien.

Augen auf:
Findet jemand die Versteinerung der schneckenförmigen Ammoniten?

TIPP VOM LPV
Einen Steinlebensraum anlegen.
Tipp: Steinhaufen anlegen

Augen auf:
Wer zählt die meisten Hecken zwischen den Feldern?

TIPP VOM LPV
Ein Insektenhotel aus einer Obstkiste bauen.
Tipp: Insektenhotel bauen

Natur- und
Kulturlandschaft

Albertus Magnus berichtete viel über „Umwandlung wilder in zahme Vegetation“. Zu seiner Zeit im Hochmittelalter gab es sicher noch Urwälder, die noch nicht vom Menschen verändert waren. Damals hatte Deutschland etwa 10 Mio. Einwohner, heute 80 Mio. Unsere Landschaft in Europa ist mittlerweile überall vom Menschen gestaltet und kultiviert, mit Feldern, Wiesen und Weiden, Hecken und Wäldern, die auch bewirtschaftet werden. Bis zur Industrialisierung bedeutete diese „Umwandlung von wilder in zahme Vegetation“ mehr Vielfalt, verschiedene Lebensräume und damit eine Zunahme der Artenvielfalt. Hier auf den Winzerer Höhen sieht man noch öfter eine kleinteilige und vielfältige Kulturlandschaft, in der viele verschiedene Arten Unterschlupf und Futter finden. Mit größer werdenden Feldern, dem Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln und immer mehr Siedlungen und Straßen nimmt die Artenvielfalt heute aber dramatisch ab. Und schon Albert erkannte damals, dass sich Menschen in einer abwechslungsreichen Landschaft, mit Wäldern und Wiesen, mit Feldern und Hecken, am wohlsten fühlen – eine Erkenntnis, die die Forschung heute bestätigt.

Gemüse
mit Tradition

Das fruchtbare Schwemmland an der Donau ist von jeher der „Gemüsegarten“ der Stadt. Regional Einkaufen ist wegen der kurzen Transportwege Klimaschutz! Heute sind aber auch immer mehr Kulturpflanzen vom Aussterben bedroht. Seit Beginn der modernen Pflanzenzüchtung sind viele Sorten verschwunden. Sie wurden durch wenige, ertrag- und pflegeleichtere Neuzüchtungen verdrängt. Gemüse-, Obst- oder Getreidesorten verschwinden unwiederbringlich, wenn sie nicht mehr angebaut werden. Stoppelrüben oder Portulak sind alte Gemüsesorten, die nur in kleinen Gemüsebaubetrieben „überleben“. Alle Kulturpflanzen wurden aus Wildpflanzen über Jahrhunderte gezüchtet. Mit jeder Art die ausstirbt, verlieren wir Aromen und Chancen für die weitere Züchtung. In Alberts Aufzeichnungen findet sich die erste eindeutige Beschreibung der Gelben Rübe mit der typischen dunklen Mittelblüte in der weißen Dolde.

Riechen:
Wer findet die wilde Gelbe Rübe? Wenn man am Wurzelansatz reibt, riecht es stark nach Gelber Rübe.

TIPP VOM LPV
Rezepte für Wildkrautsuppe im Frühling und Rübenkraut vom Markt im Herbst.
↓ Tipp: Rezepte Wildkrautsuppe und Rübenkraut

Augen Auf:
Wer sieht die alten Weinbergmauern?

TIPP VOM LPV
Kräuterbeet mit Weinbergklima anlegen.
Tipp: Kräuterbeet anlegen

Der Wein
aus Bayern

Im Mittelalter war Bayern kein Bier-, sondern ein Weinland. Die Wittelsbacher ließen sich jedes Jahr 40.000 Liter Baierwein nach München liefern. Der meiste Wein wurde in Regensburg von den Klöstern und der Stadt angebaut. Durch den 30-jährigen Krieg, den zunehmenden Erfolg des Bieres und strenge Winterfröste verschwand der Weinbau fast ganz. Wo der Weinbau aufgegeben wurde, nutzte man die Hänge als Weiden und Wiesen. Als sich auch das nicht mehr rentierte, wuchsen die Winzerer Höhen mit Sträuchern und Bäumen immer mehr zu. Die historische Kulturlandschaft in ihrer Vielfalt geht immer mehr verloren und damit auch die Vielfalt verschiedener Lebensräume für Tiere und Pflanzen wie die Weinberg-Traubenhyazinthe, die sich in der Hitze und zwischen den Rebenstöcken wohl fühlt. Heute gibt es einen städtischen und eine Reihe privater Weinberge bis hinunter nach Wörth a. d. Donau. Albert erkannte an der Weinpflanze damals schon, dass die Ranke, mit der sich der Wein festhält, eine „unterentwickelte Traube“ sein muss, da sie wie sonst die Traube dem Blatt gegenüber stehen.

Äpfel aus der
Streuobstwiese

Auch Obst gedeiht in der sonnigen Lage am Hang gut und so pflanzten die Winzerer Bauern Äpfel und Birnen. Streuobstwiesen nennt man sie deshalb, weil die Bäume mit großem Abstand „verstreut“ stehen, so dass darunter Gras gedeiht, das gemäht oder beweidet werden kann. Dieser Biotop, sozusagen auf zwei Etagen, kann bis zu 5.000 verschiedene Tierarten beherbergen. Als aber kein Viehfutter mehr gebraucht wurde und Obst aus dem Ausland viel billiger eingeführt wurde, wucherten viele Streuobstwiesen zu oder wurden gar abgeholzt. Schützen durch Nützen ist die Idee hinter der Juradistl-Apfelschorle. Streuobst wird in der Region gesammelt und vor Ort verarbeitet. Damit werden nicht nur Streuobstwiesen erhalten, sondern auch viele uralte Obstsorten. Für Bienen ist die frühe Obstblüte eine wichtige Nektarquelle und bei der Honigproduktion sorgen sie für die Bestäubung der Blüten. Albert ist auch im Obstbau bewandert und beschrieb, dass die veredelten Apfel- und Birnbäume anders als die Wildformen keine Dornen mehr haben.

Hören:
Genau hinhören, wie es in der Obstwiese summt und surrt.

TIPP VOM LPV
Einen Obstbaum richtig pflanzen.
Tipp: Obstbaum pflanzen

Riechen:
Wer findet den wilden Thymian? Mit den Fingern am Blatt reiben und riechen.

TIPP VOM LPV
Regional einkaufen: Käse von der Weide und Juradistl Weide-Lamm mit Rezept.
Tipp: Regional einkaufen

Käse
von der Weide

Schafe und Ziegen sind genügsame Fresser und „geländegängig“. Damit sind sie ideal für die Beweidung der steilen und mageren Flächen geeignet. Als Mähwiesen bringen solche Hänge nur wenig Ertrag und sind dazu schwer zu bewirtschaften. Ab Frühling grasen die jungen Schafe und Ziegen auf den Winzerer Höhen und bewahren so die bunt blühenden Magerrasen davor zuzuwachsen. Wilder Thymian und Oregano gedeihen neben Karthäusernelke und Wiesenflockenblume. Einer unserer artenreichsten Lebensräume kann durch die Beweidung erhalten werden. Auch hier gilt Schützen durch Nützen. Milch, Käse und Fleisch der Weidetiere wird in der Region verarbeitet. Unter der Marke „Juradistl“ arbeiten einheimische Schäfer, Metzger und Wirte zusammen, damit die schöne Landschaft und die Artenvielfalt erhalten bleiben und die naturgemäß erzeugten Lebensmittel auf kurzem Wege vermarktet werden.

Beeren
aus der Hecke

Rosen, Schlehen, Holunder, Weißdorn, alle diese typischen Heckensträucher kamen in Alberts Aufzeichnungen vor und er kannte auch ihre Heilwirkungen. Hecken waren früher wichtig, um Felder und Weiden abzugrenzen und zu schützen. Auch das Wort Hecke kommt von dieser Bedeutung: einhegen, hegen. Man nutzte das Holz auch zum Heizen und sammelte die Beeren. Viele Heckensträucher haben Dornen oder Stacheln und Albertus erkannte auch schon den Unterschied: Dornen kommen aus dem Inneren der Pflanze, wogegen Stacheln der Pflanze äußerlich anhaften. Mit ihren Kräutern im Unterwuchs und einzelnen Bäumen sind Hecken Lebensraum und Nahrungsquelle. In einer naturnahen Hecke können bis zu 900 verschiedene Tierarten leben. Und so, wie wir gerne im Schutz einer Hecke wandern, sind sie auch für viele Tiere wichtige Wanderwege, auf denen sie sich verbreiten können. Der LPV hat schon viele Hecken gepflanzt, kümmert sich aber auch um die richtige Pflege. Die Sträucher werden alle 5-10 Jahre auf den Stock gesetzt, das heißt bis knapp über dem Boden zurückgeschnitten. So entsteht aus einer alten Hecke abschnittweise wieder eine junge.

Augen auf:
Haben Rosen Dornen oder Stacheln? Tipp, oben im Text steht was der Unterschied ist.

TIPP VOM LPV
Rezept Hollermus, ein uraltes bayerisches Kompott mit Holunderbeeren.
Tipp: Rezept Hollermus

Augen auf!
Die Buchenblätter sind glänzend glatt und haben feine Härchen am Blattrand (gegen das Licht halten!).

TIPP VOM LPV
Bucheckern für die Küche zubereiten, schmackhaft-nussig (Vorsicht, Kerne nicht roh essen!).
Tipp: Rezept Bucheckernpesto

Buche
Mutter des Waldes

Die Buche „ist bei uns ein sehr bekannter Baum, mit aschgrauer und fester Rinde …“ bemerkte Albert und weist so auf die damals sehr weite Verbreitung der Mutter des Waldes hin, wie die Rotbuche auch genannt wird. Auf fast allen Standorten in Mitteleuropa würde die Buche dichte Wälder bilden, wenn der Mensch nicht eingreifen würde. Mit dem Klimawandel kommt der Buche große Bedeutung zu, da sie mit Trockenheit besser zurechtkommt als z.B. die Fichte, die eigentlich in kühleren Berglagen zuhause ist. Die meisten unserer heutigen Wälder sind Forste, die der Mensch gepflanzt hat, regelmäßig pflegt und auch das Holz nutzt. Heimisches Holz ist ein klimafreundlicher und regionaler Baustoff. Naturnah bewirtschaftete Wälder sind als relativ wenig intensiv genutzte Fläche ein letztes Rückzugsgebiet für scheue Tiere. Auch für die Produktion von Sauerstoff und die Reinigung des Wassers brauchen wir den Wald.