Naturschutz und Landwirtschaft zusammenbringen: Auf schwierigen Hangflächen in Regensburg sorgt künftig eine Schafherde dafür, dass wertvolle Magerrasenflächen offen bleiben. Das Projekt A.ckerwert des Landschaftspflegeverbands Regensburg unterstützt die Eigentümer bei der Suche nach einer nachhaltigen Bewirtschaftung.
Steile Hänge, schwierige Zugänge und aufkommende Gehölze machen die Bewirtschaftung der Flächen von Anton Fisch und dem Ehepaar Etzel zu einer besonderen Herausforderung. Rund 25 Jahre lang haben die Eigentümer die nebeneinanderliegenden Flächen mit großem persönlichem Einsatz offengehalten. Vieles musste dabei mühsam von Hand erledigt werden. So wurden die einst zugewachsenen Hänge nach und nach wieder freigestellt und ihr ökologisch wertvoller Charakter wurde erhalten. Teilbereiche sind sogar als Biotopflächen kartiert.
„Auf der Fläche gibt es viele erhaltenswerte Pflanzen und Tiere. Allerdings ist die händische Pflege mühsam und altersbedingt für uns nicht mehr durchführbar“, erklärt das Ehepaar Etzel. „Wichtig ist uns, dass es so weitergeht, dass die Fläche weiterhin naturschonend bewirtschaftet wird und die seltenen Arten dort – im Idealfall langfristig – erhalten bleiben.“

Schafe bei der Arbeit. Foto: Mathilde Seiferlein
Schafe als ideale Landschaftspfleger
Eine passende Lösung wurde mit dem Schäfer Anton Beimler gefunden. Künftig übernimmt seine Schafherde die Pflege der Flächen. Unterstützt wurde die Suche nach einem geeigneten Bewirtschaftungskonzept durch das Projekt A.ckerwert des Landschaftspflegeverbands Regensburg.
Heidrun Waidele vom LPV Regensburg begleitete die Eigentümer und den Schäfer bei einem gemeinsamen Ortstermin. Dabei wurden die Besonderheiten der Flächen betrachtet und verschiedene Möglichkeiten der Bewirtschaftung besprochen. Schnell zeigte sich: Die Beweidung mit Schafen passt hier besonders gut.
Für den Schäfer bietet die Lösung gleich mehrere Vorteile. „Der Vorteil der Beweidung durch Schafe ist einerseits die Praktikabilität auf den schwer zu bewirtschaftenden Hangflächen, andererseits der naturschutzfachliche Aspekt durch die Schafe“, erläutert er. „Die Tiere haben durch ihr leichtes Gewicht einen besonders schonenden Tritt und wirken als ‚Samentaxi‘. Durch Wolle und Kot sorgen sie dafür, dass Samen weitergetragen werden und sich Pflanzenarten gut vermehren können.“
Wertvolle Magerrasen brauchen Pflege
Die Beweidung trägt damit nicht nur zur Bewirtschaftung der Flächen bei, sondern erfüllt auch eine wichtige Funktion für den Naturschutz. Magerrasen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen und sind in der intensiv genutzten Landschaft selten geworden.
„Magerrasenflächen wie diese gehen durch die Intensivierung der Landwirtschaft immer mehr verloren und sind deshalb schon Raritäten“, sagt Heidrun Waidele vom LPV Regensburg. „Sie sind wichtig, weil der Großteil der Pflanzen und Tiere, die hier ihren Lebensraum finden, vom Aussterben bedroht ist.“
Dabei ist die heutige Pflege eng mit der Geschichte dieser Landschaft verbunden. „Viele Magerrasen sind über Jahrhunderte durch eine extensive Beweidung entstanden. Die Rückkehr der Schafe führt diesen traditionellen Bewirtschaftungsansatz fort. Damit schließt sich der Kreislauf wieder und die Fläche wird wieder durch Beweidung gepflegt und erhalten“, so Waidele.

Schäfer, Flächeneigentümer und Heidrund Waidele. Foto: Mathilde Seiferlein
A.ckerwert bringt Eigentümer und Bewirtschaftende zusammen
Das Beispiel zeigt, wie Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung miteinander verbunden werden können. Immer mehr Eigentümerinnen und Eigentümer wünschen sich eine nachhaltigere Bewirtschaftung ihrer landwirtschaftlichen Flächen. Gleichzeitig stehen Bewirtschaftende vor der Herausforderung, passende Flächen für eine wirtschaftlich und praktisch umsetzbare Nutzung zu finden.
Genau hier setzt A.ckerwert an. Das Projekt des LPV Regensburg unterstützt Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Flächenpächterinnen und -pächter dabei, gemeinsam geeignete Lösungen für eine naturschonende Bewirtschaftung zu entwickeln. Dabei werden sowohl die Wünsche der Eigentümer als auch die wirtschaftlichen Interessen der Bewirtschaftenden berücksichtigt.
Im Fall der Hangflächen ist eine Situation entstanden, von der alle Beteiligten profitieren: Die Eigentümer wissen ihre ökologisch wertvollen Flächen langfristig in guten Händen, der Schäfer erhält eine geeignete Weidefläche und die Landschaft wird durch die Beweidung gepflegt.
„Wir sind froh, dass der Schäfer auf die Fläche hochkommt, denn das Gelände und der Zugang sind schwierig. Der Schäfer wiederum ist froh, eine Weidefläche für die Tiere zu haben und seinen Teil zur Landschaftspflege beitragen zu können“, sagt Waidele. „Eigentümer und Bewirtschafter erreichen hier ein gemeinsames Ziel: Wir wollen nachhaltige Landwirtschaft fördern.“
Beratung für Flächeneigentümer
Das Projekt A.ckerwert richtet sich an Eigentümerinnen und Eigentümer landwirtschaftlicher Flächen, die nach Möglichkeiten für eine nachhaltigere und naturschonende Bewirtschaftung suchen. Der LPV Regensburg berät kostenlos und begleitet auf Wunsch auch den weiteren Umsetzungsprozess.
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